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Pubertierenden Hund trainieren, ohne strenger zu werden
Von der Hundepakt-Redaktion · Methode: Orientierung statt Korrektur (gewaltfrei) · Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026

Kurz gesagt: Du trainierst einen pubertierenden Hund, indem du deine Erwartungen anpasst, statt den Druck zu erhöhen. In der Pubertät wirkt Gelerntes zeitweise instabil, und Umweltreize werden wichtiger. Das ist normal und kein Trotz. Wiederhole die Grundlagen an leichten Orten, sichere draußen mit Schleppleine und Abstand ab und belohne, was gelingt. Strenger werden musst du dafür nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Pubertät ist eine normale Entwicklungsphase: Gelerntes wirkt zeitweise instabil, Umweltreize werden wichtiger. Das ist kein Trotz.
- Strenger zu werden löst das nicht, denn es fehlt kein Respekt, sondern Stabilität unter Ablenkung.
- Wiederhole die Grundlagen an leichten Orten und steigere die Ablenkung erst, wenn eine Stufe entspannt klappt.
- Management statt Strafe: Schleppleine, Abstand zu Auslösern und feste Ruhephasen sichern den Alltag ab.
- Rückschritte sind normal. Rechne je nach Hund mit mehreren Wochen bis Monaten, nicht mit einer schnellen Lösung.
So trainierst du mit einem pubertierenden Hund, ohne strenger zu werden
- Erwartungen anpassen: Geh davon aus, dass dein Hund Signale unter Ablenkung gerade nicht zuverlässig umsetzen kann. Stell ihm nur Aufgaben, die er in der jeweiligen Situation schaffen kann.
- Aufmerksamkeit neu aufbauen: Verknüpfe an einem ruhigen Ort wie Wohnung oder Flur Blickkontakt und seinen Namen wieder positiv. Belohne jeden Moment, in dem er sich von selbst an dir orientiert.
- Grundlagen an leichten Orten wiederholen: Übe die wichtigsten Signale zuerst dort, wo wenig los ist. Belohne nach dem richtigen Verhalten, auch mit Schnüffeln oder Spiel, und zeig Futter nicht vorher als Lockmittel.
- Ablenkung schrittweise steigern: Geh vom Flur in den Garten, dann auf eine ruhige Straße und erst danach in eine reizreiche Umgebung. Klappt eine Stufe nicht entspannt, gehst du ohne Ärger eine Stufe zurück.
- Mit Management absichern: Solange Rückruf und lockere Leine unter Ablenkung wackeln, sichert eine Schleppleine. Halte Abstand zu Auslösern, damit dein Hund unter seiner Reizschwelle bleibt und ansprechbar ist.
- Ruhe fest einplanen: Feste Ruhephasen, ein Ruheort wie eine Decke und verlässliche Routinen senken die Erregung, besonders nach Spaziergängen. Noch mehr Beschäftigung kann sie dagegen erhöhen.
Warum wirkt dein Hund plötzlich, als hätte er alles vergessen?
Wenn dein bisher so unkomplizierter Hund auf einmal nicht mehr reagiert, ist die Enttäuschung verständlich. In der Pubertät wirkt Gelerntes zeitweise instabil, und Gerüche, andere Hunde und Menschen werden wichtiger als vorher. Dazu kommt: Ein Signal, das zu Hause klappt, ist unter Ablenkung noch nicht gelernt, und genau dieser Schritt wackelt jetzt. Dein bisheriges Training war deshalb nicht umsonst, es ist die Grundlage, auf der du jetzt wieder aufbaust.
Muss ich jetzt strenger werden?
Nein. Dein Hund ist nicht trotzig und will dich auch nicht dominieren: Beides sind verbreitete Fehldeutungen, und die Alpha-Rhetorik gilt fachlich als überholt. Was fehlt, ist Stabilität unter Ablenkung, und die entsteht durch Wiederholung und Belohnung, nicht durch Druck. Was gewaltfreies Hundetraining im Alltag bedeutet, liest du in unserem Grundlagenartikel.
Was hilft, wenn draußen gerade nichts mehr klappt?
Mach die Aufgabe kleiner, statt den Druck größer zu machen. Vergrößere den Abstand zu Auslösern, bis dein Hund wieder ansprechbar ist, und übe unter seiner Reizschwelle statt darüber. Solange er nicht zuverlässig kommt, sichert eine Schleppleine, und parallel kannst du den Rückruf Schritt für Schritt aufbauen. Pausen und Ruhe nach dem Spaziergang helfen zusätzlich, die Erregung zu senken.
Was solltest du in dieser Phase vermeiden?
Verzichte auf Rucken an der Leine, Schimpfen und Strafen, auch wenn der Frust groß ist. Aversive Hilfsmittel wie Stachel-, Würge-, Sprüh- oder Elektrohalsband sind mit gewaltfreiem Training nicht vereinbar, und wir raten klar davon ab. Wenn dein Hund knurrt, bestrafe das nicht: Knurren ist Kommunikation, und ohne diese Warnung fällt ein wichtiges Signal weg.
Welche Fehler passieren in der Pubertät häufig?
Oft wird vor allem dort geübt, wo es schwierig ist, obwohl der Hund dort gerade überfordert ist. Besser ist es, an leichten Orten anzufangen und langsam zu steigern. Ein weiterer Fehler ist, weiterzulaufen, wenn der Hund zieht, denn dann führt Zug zum Ziel; mehr dazu, warum Hunde an der Leine ziehen, findest du in unserem Leinen-Ratgeber. Und Futter vor dem Signal zu zeigen, ist Bestechung: Belohnung kommt erst nach dem richtigen Verhalten.
Wie lange dauert es, bis es wieder besser wird?
Das ist je nach Hund verschieden, und eine feste Frist kann dir niemand seriös versprechen. Rechne eher mit mehreren Wochen bis Monaten als mit einer schnellen Lösung, und plane Rückschritte ein: Sie sind normal und kein Zeichen, dass dein Training gescheitert ist. Hilfreicher als der Blick auf den Kalender ist die Frage, welche Stufe heute entspannt klappt.
Wann brauchst du Hilfe von außen?
Schwankende Signale und neues Interesse an der Umwelt gehören zur Pubertät und sind allein kein Grund zur Sorge. Verändert sich das Verhalten deines Hundes aber plötzlich stark, vermutest du Schmerzen oder zeigt er neu auftretende Aggression, geh mit ihm zuerst in die Tierarztpraxis. Bei Beißvorfällen, ernsthafter Aggression oder starker Angst gehört zusätzlich eine Trainerin oder Verhaltensfachperson vor Ort dazu, die deinen Hund in seinem Alltag erlebt. Ein Online-Kurs ersetzt diese Hilfe nicht.
Wenn du dir für die Grundlagen eine klare Reihenfolge wünschst, ist der Grundlagenkurs „Hundetraining mit Erfolg“ eine Option für den nächsten strukturierten Schritt: ein gewaltfreier Online-Videokurs von Hundetrainerin Désirée Scheller, den du in deinem eigenen Tempo durcharbeitest.
Häufige Fragen
Ist mein Hund in der Pubertät trotzig?
Nein, Trotz ist eine verbreitete Fehldeutung. In der Pubertät wirkt Gelerntes zeitweise instabil, und Umweltreize werden wichtiger. Dein Hund richtet sich damit nicht gegen dich, er braucht gerade leichtere Aufgaben und mehr Wiederholung.
Muss ich mit dem Training wieder bei null anfangen?
Nein. Du baust auf dem auf, was dein Hund schon gelernt hat, machst die Schritte aber vorübergehend wieder kleiner. Wiederhole die Grundlagen an ruhigen Orten und steigere die Ablenkung erst, wenn eine Stufe entspannt klappt.
Sollte mein Junghund in der Pubertät an die Schleppleine?
Solange er unter Ablenkung nicht zuverlässig auf Rufen kommt, ist die Schleppleine eine sinnvolle Absicherung: Sie lässt ihm Raum und verhindert, dass er einem Reiz ungebremst folgt. Befestige sie an einem gut sitzenden Geschirr statt am Halsband und nutze sie als Management, nie zum Rucken.
Hilft mehr Auslastung gegen das Verhalten in der Pubertät?
Nicht automatisch, denn noch mehr Beschäftigung kann die Erregung erhöhen statt senken. Ruhe ist für Hunde eine Lernaufgabe. Feste Ruhephasen, ein Ruheort wie eine Decke oder eine Box mit offener Tür und verlässliche Routinen helfen deinem Hund, wieder herunterzufahren.