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Tipps für das Welpentraining: ruhig und gewaltfrei starten

Von der Hundepakt-Redaktion · Methode: Orientierung statt Korrektur (gewaltfrei) · Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026

Tipps für das welpentraining: Hund an lockerer Leine, gewaltfreies Training

Kurz gesagt: Dein Welpe lernt vom ersten Tag an, deshalb zählt im Welpentraining vor allem der Alltag. Die wichtigsten Tipps: feste Ruhephasen einplanen, nur sehr kurz üben, erwünschtes Verhalten sofort belohnen statt Fehler zu bestrafen, Schwieriges über Management verhindern und die Welt in kleinen Schritten zeigen. Beißen, Pfützen und Hochspringen sind in diesem Alter meist normal und kein Zeichen, dass du alles falsch machst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beißen, Pfützen, Hochspringen und Unruhe gehören bei den meisten Welpen dazu. Das ist Entwicklung, kein Trotz und kein Machtkampf.
  • Ruhe ist eine Lernaufgabe. Ein fester Ruheort und geplante Pausen helfen oft mehr als noch mehr Beschäftigung.
  • Belohne, was du dir wünschst, direkt im Moment. Strafe und Schimpfen zeigen deinem Welpen nicht, was er stattdessen tun soll.
  • Übe kurz und zuerst an ruhigen Orten. Ablenkung kommt erst dazu, wenn eine Stufe entspannt klappt.
  • Management wie Wegräumen, Kauartikel und Absperren verhindert, dass sich Unerwünschtes einschleift.

Tipps für das Welpentraining: so gehst du Schritt für Schritt vor

  1. Ruhe einplanen: Gib deinem Welpen einen festen Ruheort, etwa eine Decke oder eine Box mit offener Tür, und plane nach Spiel, Besuch oder Ausflügen bewusst Pausen ein. Ruhe ist eine Lernaufgabe, und noch mehr Beschäftigung kann die Erregung erhöhen statt senken.
  2. Routinen schaffen: Feste Abläufe für Schlafen, Fressen, Spielen und Rausgehen geben deinem Welpen Orientierung. Solche Routinen helfen ihm auch, leichter zur Ruhe zu kommen.
  3. Aufmerksamkeit aufbauen: Verknüpfe an einem ruhigen Ort wie Wohnung oder Flur seinen Namen und den Blickkontakt zu dir positiv: Schaut dein Welpe dich an, markierst du das mit einem Wort und belohnst ihn. Daraus entsteht die Orientierung an dir, auf der späteres Training aufbaut.
  4. Erwünschtes belohnen: Achte auf das, was schon klappt, zum Beispiel vier Pfoten am Boden statt Hochspringen, ruhiges Liegen oder Loslassen, und belohne es direkt. Die Belohnung kommt nach dem Verhalten, nicht als Lockmittel davor.
  5. Management statt Machtkampf: Räume weg, was dein Welpe nicht anknabbern soll, biete passende Kauartikel an und sichere schwierige Bereiche ab. So verhinderst du, dass sich Unerwünschtes einschleift, ohne schimpfen zu müssen.
  6. Kurz üben: Übe lieber mehrmals am Tag ein paar Wiederholungen als einmal lange. Hör auf, solange es noch gut läuft, und gönn deinem Welpen danach eine Pause.
  7. Ablenkung langsam steigern: Was in der Wohnung klappt, ist draußen noch nicht gelernt. Steigere schrittweise von Wohnung über Garten und ruhige Straße bis zu belebteren Orten und geh erst weiter, wenn eine Stufe entspannt klappt. Rückschritte sind dabei normal.

Ist das Verhalten deines Welpen normal?

In den meisten Fällen ja. Welpen erkunden die Welt mit dem Maul, kauen vieles an, sind noch nicht stubenrein und werden schnell aufgedreht, wenn viel los ist. Deutungen wie „er will dich dominieren“ oder „er testet dich“ gelten fachlich als überholt. Dein Welpe ist schlicht noch dabei, die Welt und euren Alltag zu verstehen.

Machst du im Welpentraining etwas falsch?

Wahrscheinlich nicht. Dass du dich gerade überfordert fühlst, ist verständlich, denn ein Welpe stellt den Alltag auf den Kopf. Vieles klappt noch nicht, weil dein Welpe es noch nicht gelernt hat oder weil ein Schritt unter Ablenkung noch nicht stabil genug aufgebaut ist. Das ist der normale Stand in diesem Alter, kein Versagen.

Ab wann beginnt die Erziehung beim Welpen?

Dein Welpe lernt vom ersten Tag an, auch wenn du gerade nicht bewusst übst. Erziehung heißt in dieser Phase vor allem, den Alltag so zu gestalten, dass erwünschtes Verhalten leichtfällt und belohnt wird, nicht Kommandos zu drillen. Mehr dazu, ab wann Welpentraining sinnvoll ist, findest du in einem eigenen Ratgeber.

Was hilft, wenn dein Welpe beißt und ins Hosenbein geht?

Beißen und Zerren sind bei Welpen meist Spiel und Erkundung und werden oft stärker, wenn der Welpe aufgedreht ist. Unterbrich das Spiel ruhig, biete einen Kauartikel an oder bring deinen Welpen an seinen Ruheort, statt zu schimpfen oder ihn festzuhalten. Viele Situationen lassen sich vorher entschärfen: weniger Trubel, mehr Pausen. Was du sonst noch tun kannst, wenn dein Welpe beißt, erklären wir ausführlich in einem eigenen Ratgeber.

Wie wird dein Welpe stubenrein?

Mit Geduld, Routine und Belohnung. Bring deinen Welpen regelmäßig an dieselbe Stelle nach draußen und belohne ihn ruhig, wenn er sich dort löst. Missgeschicke in der Wohnung wischst du kommentarlos weg, denn Schimpfen bringt ihm nichts bei. Wie du deinen Welpen stubenrein bekommst, zeigen wir dir Schritt für Schritt im passenden Ratgeber.

Was solltest du im Welpentraining vermeiden?

Verzichte auf Schimpfen, Strafen, grobes Festhalten oder einen Ruck an der Leine. Dein Welpe lernt daraus nicht, was er stattdessen tun soll, und es belastet eure Beziehung. Ratschläge wie „Zeig ihm, wer der Chef ist“ stammen aus der überholten Alpha-Rhetorik: Sie geht auf Beobachtungen zusammengewürfelter Gehegewölfe zurück, die der Verhaltensforscher L. David Mech später selbst relativiert hat.

Welche Fehler passieren im Welpentraining häufig?

Häufig ist es eher zu viel als zu wenig: zu viel Programm, zu lange Übungseinheiten und zu früh zu viele neue Orte. Ein weiterer Klassiker ist, gleich an schwierigen Orten zu üben, obwohl der Schritt an leichten Orten noch nicht sicher sitzt. Und oft wird Ruhe übersehen, dabei ist sie für Welpen genauso eine Lernaufgabe wie Sitz oder Rückruf.

Wie lange dauert es, bis die Grundlagen sitzen?

Das hängt von deinem Welpen, eurem Alltag und dem jeweiligen Thema ab. Rechne mit mehreren Wochen bis Monaten, mit Rückschritten zwischendurch. Auch später in der Pubertät kann Gelerntes zeitweise wieder wackeln: Das ist eine normale Entwicklungsphase und kein Trotz, dann hilft es, Grundlagen an leichten Orten zu wiederholen.

Wann brauchst du Hilfe von außen?

Wenn dein Welpe Durchfall hat, erbricht, apathisch wirkt oder nicht frisst, geh zeitnah in die Tierarztpraxis. Das gilt auch bei plötzlicher starker Verhaltensänderung, Schmerzverdacht oder neu auftretender Aggression. Bei Beißvorfällen, die über spielerisches Zwicken hinausgehen, bei ernsthafter Aggression oder starker Angst gehört eine Trainerin oder Verhaltensfachperson vor Ort dazu. Ein Online-Kurs ersetzt diese Hilfe nicht.

Wenn du dir für die Welpenzeit einen strukturierten roten Faden wünschst, ist der Online-Welpenkurs von Stefanie Ströbele (FROHE HUNDE, 9 Teile mit 60 Videos, gewaltfrei über menschliche Körpersprache) eine mögliche Option neben Angeboten vor Ort.

Häufige Fragen

Wie lange sollte eine Übungseinheit mit dem Welpen dauern?

So kurz, dass dein Welpe noch konzentriert und entspannt ist. Verteile lieber ein paar Wiederholungen über den Tag als eine lange Einheit. Wird er unkonzentriert, wild oder fängt an zu beißen, war die Einheit schon zu lang.

Darf ich meinen Welpen bestrafen, wenn er etwas falsch macht?

Nein. Strafe zeigt deinem Welpen nicht, was er stattdessen tun soll. Hilfreicher ist es, Unerwünschtes über Management zu verhindern und erwünschtes Verhalten zu belohnen. Auch Knurren wird nicht bestraft, denn es ist Kommunikation: Fällt es weg, fehlt die Warnung.

Sind Leckerlis im Welpentraining Bestechung?

Nein, solange die Belohnung nach dem gewünschten Verhalten kommt. Bestechung wäre, das Futter vorher zu zeigen, damit dein Welpe etwas tut. Mit der Zeit wird die Belohnung variabler: nicht jedes Mal und nicht immer Futter, sondern auch Spiel, Schnüffeln oder Freilauf.

Ist für den Welpen ein Geschirr oder ein Halsband besser?

Ein gut sitzendes Y-Geschirr verteilt Zug auf den Brustkorb und schont Hals und Kehlkopf, ein Halsband belastet bei Zug den empfindlichen Halsbereich. Ausrüstung ersetzt aber kein Training. Stachel-, Würge-, Sprüh- und Elektrohalsbänder sind mit gewaltfreiem Training nicht vereinbar und für Welpen keine Option.