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Hund in der Pubertät hört nicht mehr: Was passiert gerade?

Von der Hundepakt-Redaktion · Methode: Orientierung statt Korrektur (gewaltfrei) · Zuletzt aktualisiert: September 2026

Hund in der pubertät hört plötzlich nicht mehr: was passiert gerade?: Hund an lockerer Leine, gewaltfreies Training

Kurz gesagt: Wenn dein Junghund in der Pubertät plötzlich nicht mehr hört, steckt meist eine normale Entwicklungsphase dahinter. Das ist kein Trotz und kein Zeichen, dass dein Training umsonst war. Gelerntes wirkt zeitweise instabil, Umweltreize werden wichtiger. Strenger werden musst du nicht. Was hilft: Erwartungen anpassen, Grundlagen an leichten Orten wiederholen, mit Schleppleine und Abstand absichern und geduldig bleiben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Pubertät ist eine Entwicklungsphase, in der Gelerntes zeitweise instabil wirkt und Umweltreize wichtiger werden. Das ist normal.
  • Dein Hund überhört dich nicht aus Trotz. Deutungen wie „er weiß genau, was er soll“ sind verbreitet, treffen es aber nicht.
  • Strenge hilft nicht weiter. Orientierung, Belohnung und Geduld tragen euch besser durch diese Zeit.
  • Geh einen Schritt zurück: Übe die Grundlagen an ruhigen Orten und steigere die Ablenkung erst dann langsam.
  • Management schützt euch beide, zum Beispiel eine Schleppleine und mehr Abstand zu starken Reizen.

Hund in der Pubertät hört nicht mehr: So gehst du jetzt vor

  1. Erwartungen anpassen: Geh davon aus, dass Signale gerade nicht überall abrufbar sind. Verlange draußen nur, was dein Hund im Moment realistisch schaffen kann.
  2. Einen Schritt zurückgehen: Verknüpfe an einem ruhigen Ort wie Wohnung oder Flur Namen und Blickkontakt wieder positiv. Auch vertraute Signale holst du zuerst dort zurück, wo kaum Ablenkung ist.
  3. Orientierung belohnen: Markiere und belohne jeden freiwilligen Blick zu dir. Die Belohnung kommt nach dem richtigen Verhalten, nicht als Lockmittel davor.
  4. Absichern statt riskieren: Solange der Rückruf nicht zuverlässig ist, sichert eine Schleppleine am gut sitzenden Geschirr. Halte Abstand zu starken Reizen, damit dein Hund unter der Reizschwelle bleibt.
  5. Ablenkung schrittweise steigern: Übe erst im Flur, dann im Garten, dann auf einer ruhigen Straße und später in reizreicher Umgebung. Die nächste Stufe kommt erst, wenn die aktuelle entspannt klappt.
  6. Ruhe einplanen: Pausen und Ruhe nach dem Spaziergang senken die Erregung. Noch mehr Beschäftigung kann die Aufregung eher steigern als senken.
  7. Rückschritte einkalkulieren: Klappt etwas plötzlich nicht mehr, geh eine Stufe zurück, statt den Druck zu erhöhen. Rückschritte sind normal und gehören zum Lernen dazu.

Warum hört dein Hund in der Pubertät plötzlich nicht mehr?

Die Pubertät ist eine Entwicklungsphase, in der Gelerntes zeitweise instabil wirkt und Umweltreize für deinen Hund wichtiger werden. Gerüche, andere Hunde und Menschen ziehen seine Aufmerksamkeit stärker an als früher. Dazu kommt: Je höher die Erregung, desto weniger ansprechbar ist ein Hund. Dein Signal ist also nicht vergessen, es kommt in diesem Moment nur schlechter bei ihm an.

„Er konnte das doch schon“: War das Training umsonst?

Nein. Es ist verständlich, dass dich das enttäuscht, gerade wenn dein Hund als Welpe schon so vieles konnte. Ein Signal, das zu Hause oder auf der vertrauten Runde sitzt, ist unter starker Ablenkung aber noch nicht sicher gelernt, und genau diese Ablenkung wiegt in der Pubertät schwerer. Was du bisher aufgebaut hast, ist nicht verloren: Es ist das Fundament, auf dem ihr jetzt Schritt für Schritt weiterbaut.

Muss ich jetzt strenger werden?

Nein. Mehr Druck ändert nichts daran, dass dein Hund im aufgeregten Moment kaum ansprechbar ist. Außerdem belastet Druck eure Beziehung genau dann, wenn die Orientierung an dir besonders wichtig ist. Schimpfen, Leinenruck oder aversive Hilfsmittel wie Stachel-, Würge-, Sprüh- oder Elektrohalsband sind mit gewaltfreiem Training nicht vereinbar und keine Lösung. Was stattdessen trägt, sind Struktur, Belohnung und Geduld, also genau das, was gewaltfreies Hundetraining ausmacht.

Welche Fehler passieren in dieser Phase häufig?

Häufig wird vor allem dort geübt, wo es gerade am schwersten ist, statt an leichten Orten neu anzufangen und die Ablenkung langsam zu steigern. Ein zweiter Stolperstein ist Freilauf, obwohl der Rückruf gerade wackelt: Hier sichert eine Schleppleine, während du den Rückruf Schritt für Schritt neu aufbaust. Zieht dein Junghund wieder stärker an der Leine, bringt Rucken nichts, Stehenbleiben oder ein ruhiger Richtungswechsel dagegen schon. Mehr dazu, warum Hunde an der Leine ziehen, findest du in einem eigenen Ratgeber.

Wie lange dauert es, bis dein Hund wieder zuverlässiger hört?

Das ist von Hund zu Hund verschieden, eine feste Frist gibt es nicht. Rechne ehrlich mit mehreren Wochen bis Monaten, mit Fortschritten und mit Rückschritten. Achte auf kleine Fortschritte: Ein freiwilliger Blick zu dir auf dem Spaziergang ist in dieser Phase schon ein echter Erfolg.

Wann brauchst du Hilfe von außen?

Nicht jede Veränderung im Junghundealter ist Pubertät. Verändert sich dein Hund plötzlich stark, vermutest du Schmerzen oder zeigt er zum ersten Mal Aggression, geh mit ihm zuerst in die Tierarztpraxis. Bei Beißvorfällen, ernsthafter Aggression oder starker Angst gehört zusätzlich eine Trainerin oder Verhaltensfachperson vor Ort dazu, die deinen Hund in der echten Situation sieht. Ein Online-Kurs ersetzt diese Hilfe nicht.

Wenn du die Grundlagen jetzt noch einmal strukturiert aufbauen möchtest, ist der Grundlagenkurs „Hundetraining mit Erfolg“ von Hundetrainerin Désirée Scheller eine Option für den nächsten Schritt: ein gewaltfreier Online-Videokurs für den Alltag in deinem eigenen Tempo, aber kein Muss, denn die Prinzipien aus diesem Ratgeber lassen sich auch ohne Kurs umsetzen.

Häufige Fragen

Ist mein Hund in der Pubertät trotzig?

Nein, das Überhören von Signalen gehört zu einer normalen Entwicklungsphase. Deutungen wie Trotz oder „er weiß genau, was er soll“ sind verbreitet, beschreiben aber nicht, was gerade in deinem Hund passiert. Hilfreicher ist die Frage, was ihn im Moment so stark ablenkt.

Soll ich das Training in der Pubertät pausieren?

Nicht ganz, aber du kannst die Anforderungen senken. Wiederhole Grundlagen an leichten Orten, statt dich an schwierigen Situationen abzuarbeiten. So bleibt das Gelernte in Übung, und dein Hund erlebt weiter Erfolge mit dir.

Darf mein Hund in der Pubertät ohne Leine laufen?

Solange der Rückruf nicht zuverlässig klappt, ist eine Schleppleine am gut sitzenden Geschirr die sichere Wahl. Dein Hund hat damit Spielraum zum Schnüffeln, und du kannst den Rückruf weiter üben, ohne dass eine Situation außer Kontrolle gerät.

Warum zieht mein Junghund plötzlich wieder an der Leine?

Reize wie Gerüche, andere Hunde oder Menschen werden in der Pubertät wichtiger, und Übererregung überschreibt Gelerntes. Dazu kommt, dass Hunde von Natur aus schneller laufen als Menschen. Hilfreich sind Stehenbleiben oder ein ruhiger Richtungswechsel bei Zug und Üben an leichten Orten, bevor es wieder in reizreiche Umgebung geht.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn mein Hund in der Pubertät nicht mehr hört?

Meist nicht, denn das gehört zu dieser Entwicklungsphase. Anders ist es bei einer plötzlichen starken Verhaltensänderung, bei Verdacht auf Schmerzen oder bei neu auftretender Aggression: Dann gehört dein Hund zuerst in die Tierarztpraxis.